Costa Rica - Reiche Küste

Als die Spanier im 16. Jahrhundert diesen Namen dem Land gegeben hatten, bezogen sie sich in der ersten Linie aufs Gold. Das reiche kulturelle Erbe der Ureinwohner und die vielfältige Natur blieben ohne Beachtung. Nicht aber für die heutigen Besucher, zu denen wir uns im Mai 2026 zählten. Während unserer zweiwöchigen Reise auf der Landenge zwischen Nord- und Südamerika waren wir von diesem Reichtum überwältigt.
Costa Rica ist ungefähr so groß wie Niedersachsen, hat aber sechs Klimazonen, mehrere Gebirgszüge mit teilweise aktiven Vulkanen und eine ca. 1.290 km lange Küstenlinie am Karibischen Meer und am Pazifik. Badeurlaub? Bergwanderungen? Wellness? Tier- und Vogelbeobachtung? – Alles ist möglich. Vieles davon stand auf unserem Programm und nun habe ich ein Problem: Wie schafft man in einem kurzen Blogbeitrag über alles, was wir in zwei Wochen erlebt haben, zu erzählen und die besten 25 Fotos aus den gefühlten Tausend zu wählen? Ich setze Prioritäten und entscheide mich für zwei Themen: Schokolade und Natur.
Schokolade, wie sie die Ureinwohner tranken.
Costa Rica empfängt uns mit Regen bei Temperaturen von über 30 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit, aber für das Jammern über das Wetter haben wir keine Zeit. Unser erstes einfaches Hotel an der karibischen Küste nah am schwarzen Strand mit umwerfenden Sonnenaufgängen erleben wir nur am frühen Morgen und späten Abend. Die Tage sind mit Programm gefüllt. Einer der Punkte ist der Besuch einer Kakaoplantage im Reservat des Volkes der Bribri.
Die Siedlung ist ca. 40 km von Cahuita entfernt. Der Weg dorthin ist ein Abenteuer an sich: Zuerst mit unserem mittelgroßen Reisebus auf teilweise unbefestigten Straßen, dann mit einem Boot und anschließend mit zwei Vans, bei denen man viel Vertrauen in die Fahrer, wenn nicht in die Fahrzeuge hat. Unterwegs fahren wir an den Siedlungen des Volkes der Bribri vorbei und erfahren viel Interessantes über ihr naturverbundenes Leben von unserem sympathischen Guide Freddy Barrios, der seine umfangreichen Kenntnisse über sein Heimatland mit uns teilt.
Auf der Plantage erwartet uns ein unvergessliches Erlebnis: die Zubereitung der Schokolade, wie sie von dem Volk seit Jahrhunderten praktiziert wird, dazu in einer märchenhaft-romantischen Umgebung. Sie unterscheidet sich zwar erwartbar von der Realität der Bribri-Siedlungen, die wir unterwegs passiert haben, aber die nachgebauten traditionellen Kegelhäuser Úslës entsprechen unseren touristischen Erwartungen und bieten einen würdigen Rahmen für das Erlebnis.
Nach der Begrüßung durch die Gastgeber und einem Rundgang durch die Plantage sammeln wir Kakao-Früchte, die zusammen mit den Blüten direkt am Baumstamm sitzen. Wir brechen die Früchte ohne Werkzeuge auf und probieren die Samen. Ihre Trocknung und Fermentierung überspringen wir (das nimmt einige Tage in Anspruch) und gehen gleich zur Röstung von schon vorbereiteten Bohnen über. Danach erwartet uns das erste geschmackliche Erlebnis: Wir probieren die frisch gerösteten Kakaobohnen in einem Stück Banane. Mmmm! So gestärkt geht es an die richtige Arbeit: die Kakaobohnen werden mit einem Stein per Hand zerkleinert, dann durch Pusten von der dünnen Haut befreit und anschließend mit großem Stein gemahlen. Fertig ist die Paste für die Zubereitung einer echten Schokolade. Dafür braucht man nur heißes Wasser und ein Holzstab zum Rühren. Die Reste der Schokoladenmasse werden in kleine Päckchen verpackt und jeder von uns nimmt etwas davon mit, schließlich haben alle an der Herstellung mitgearbeitet.
Gottgegebene Natur und die Menschen, die sie erhalten.

Ein Viertel des Territoriums des Landes steht unter Naturschutz. Die Hälfte davon sind die Nationalparks. Einige haben wir besucht oder sogar dort übernachtet und überall sah man, wie konsequent die Costa-Ricaner ihr Naturerbe schützen und pflegen. Gut ausgebildete und ausgerüstete Rangers oder Guides helfen den Touristen, im grünen Meer der Vegetation gut getarnte Tiere zu finden und, wenn man Glück und eine gute Kamera hat, zu fotografieren.
Unser erster Nationalpark in Cahuita war gleichzeitig unsere erste Wanderung. Wir haben mehrere davon absolviert. Sie waren kurz, 3-4 km, meistens mit guten Wegen, die jeder schaffen kann. Natürlich muss man trittsicher sein, gute rutschfeste Schuhe tragen und immer an den Regenschutz denken. Freddy hat sein Fernglas dabei, das er an das Smartphone anschließen kann, um Fotos von den Tieren hoch in den Bäumen zu machen und sie uns später zur Verfügung zu stellen. Aber natürlich versucht jeder seine eigenen Fotos zu schießen. Ohne Vergrößerung wirkt das Bild wie ein Wimmelbild: Erst bei genauerem Hinsehen – meist nach einem Hinweis von Freddy – entdecken wir doch noch ein Tier oder einen Vogel.
In Tortuguero, einem Nationalpark an der Karibikküste mit zahlreichen Kanälen, hatten wir das Glück, drei Tage in einer Lodge mitten im Urwald zu verbringen und dort Tag und Nacht Affen, Blaukrebse, Leguane, Faultiere und vieles mehr zu beobachten. In Monteverde gingen wir über die Hängebrücken, die bis zu 70 Meter über dem Boden durch die Wipfel des Nebelwaldes führen. Unser erster Vulkan „Poas“ versteckte sich im dichten Nebel. Der Vulkan „Arenal“ trug zwar eine Wolkenmütze, begleitete uns aber sonst sichtbar auf unserer Wanderung durch die Lava Trails im Reservat 1968. Im Naturpark Manuel Antonio verabschiedeten wir uns von der vielfältigen Natur Costa Ricas mit unserer letzten erlebnisvollen Wanderung.
Unsere Hotels sind ein Thema an sich: Von einfachen Lodges mitten im Urwald bis zum exklusiven Resort mit mehreren Pools und einer gut gepflegten Gartenanlage. Vielleicht wird der nächste Blogbeitrag auch diese Seite unserer Reise beleuchten. Oder Sie kommen einfach mal mit und sehen alles mit Ihren eigenen Augen. Pura Vida!
Fotos & Text von Tatjana Müller-Scholich

































