Vor den Erfolg, so sagt das Sprichwort, haben die Götter den Schweiß gesetzt. Und im konkreten Fall der hier zu beschreibenden Reise: vor den Genuss das harte Training der entsprechenden Muskeln.

Spricht man von Monaco, dann fallen einem neben den „ganzjährigen“ Sehenswürdigkeiten wie dem Spielcasino im Stadtteil Monte Carlo oder dem Fürstenpalast in der Altstadt von Monaco sofort auch mehrere Veranstaltungen ein, die Liebhaber aus vielen Ländern geradezu magisch anziehen. Da ist zum einem die Rallye Monte Carlo (die allerdings in diesem Jahr in den französischen Alpen ausgetragen wurde), da ist das Formel-1-Rennen um den Grand Prix von Monte Carlo, in diesem Jahr sollen Ende Mai die Boliden auf dem Kurs durch die Stadt nehmen. Und da ist das Zirkusfestival von Monte Carlo (welches genau genommen auch nicht in Monte Carlo, sondern in Fontvielle stattfindet, unmittelbar neben dem Stadion des bekannten Fußballklubs AS Monaco).

Festival International du Cirque du Monte Carlo

Jedes Jahr im Januar versammelt sich auf diesem Festival die internationale Spitzenklasse der Artisten im Wettbewerb um die Trophäe „Goldener Clown“. 1974 von Fürst Rainier ins Leben gerufen, ist das Festival International du Cirque du Monte Carlo bis heute eine einzigartige Show zur Präsentation traditioneller und moderner Zirkuskunst. Man könnte das Ganze als Weltmeisterschaft der Artistik bezeichnen, in jedem Fall wird auf diesem Festival den Zuschauern im Festzelt internationale Artistik der absoluten Extraklasse geboten. Die Fernsehübertragung der Abschlussveranstaltung dieses Festivals mit der Krönung der besten Artisten steht schon lange im Voraus auf der Liste der unbedingt zu sehenden Sendungen jedes wirklichen Zirkusfans.

Nach den auch für die Zirkusbranche katastrophalen Coronajahren 2021 und 2022 konnte im Januar 2023 endlich auch wieder dieses Festival stattfinden – und von Dresden aus setzt sich ein Reisebus von SZ-Reisen mit vielen begeisterten Zirkusliebhabern in Bewegung, für die mit dieser Reise ein schon lang gehegter Wunsch in Erfüllung geht.

Ankommen mal anders

Von Dresden nach Monte Carlo sind es etwa 1.300 Kilometer – die Anreise muss also auf zwei Tage aufgeteilt werden, ebenso die Rückreise. Und, ja, es geht ans Mittelmeer, an die Blumenriviera, doch gestartet wird erst einmal bei kräftigem Schneefall, mit Schneeflocken, die Jens, der Busfahrer, als „groß wie Bäckermützen“ bezeichnet. Nur gut, dass er sich auch von diesen Wetterkapriolen absolut nicht aus der Ruhe bringen lässt und den Bus souverän über die verschneite Autobahn steuert. An München östlich vorbei geht es zum Dreieck Inntal, weiter nach Innsbruck und von dort hinauf zum Brenner.

Dort oben, an der Grenze nach Italien, zeigt sich tatsächlich hier und da ein Flecken blauer Himmel! Aber es ist immer noch mächtig kalt, da kommt es den Reisegästen sehr gelegen, in Tramin eine spontan organisierte Verkostung in einer der dortigen Brennereien von Grappa und Obstler besuchen zu können. Es ist auch in Italien immer noch Januar, sorgen wir also für innere Wärme!

Die Zwischenübernachtung ist in Arco organisiert, nur wenige Kilometer nördlich vom Gardasee. Vor dem Hotel stehen Orangenbäume an der Straße – ein deutliches Zeichen, dass wir im Süden angekommen sind. Der Morgen verspricht auch besseres Wetter als am Vortag, also wird erwartungsfroh die Straße den Gardasee entlang gewählt, vielleicht kann man ja einen kleinen Spaziergang durch das wunderschöne kleine Städtchen Malcesine unternehmen, das dem deutschen „Dichterfürsten Goethe beinahe zum Verhängnis geworden wäre (davon ein andermal mehr) – aber kurz vor diesem Ort beginnt es heftig zu regnen, ein Spaziergang wäre kein Vergnügen. Stattdessen fahren wir über Garda zurück zur Autobahn und dann führt die Route über Brescia hinunter in Richtung Genua ans Mittelmeer. Der Regen ist in dickes Schneetreiben übergegangen, rechts und links der Autobahn ist alles weiß verschneit – irgendwie hat man sich Italien anders vorgestellt!

Aber spätestens, als wir aus dem ligurischen Hochland über atemberaubende Autobahnbrücken hinunter nach Genua fahren, meldet sich gerade rechtzeitig zu unserem Spaziergang in die Hauptstadt Liguriens die Sonne zurück! Man kann natürlich in zwei Stunden nicht die gesamte Stadt entdecken, aber einen Eindruck von ihrem ehemaligen Reichtum bekommt man allemal. Es war der Handel auf dem Mittelmeer, der die Stadt groß und mächtig gemacht hat – und als Ironie des Schicksals steht hier das Geburtshaus jenes Mannes, der den Niedergang dieser Stadt mit eingeleitet hat. Hier wurde Christoph Columbus geboren, und der durch die von ihm vorgenommene „Entdeckung“ Amerikas beginnende Überseehandel über den Atlantischen Ozean sorgten dafür, dass die Blütezeit der großen Handelsstädte am Mittelmeer, neben Genua waren dies beispielsweise auch Venedig oder Pisa, zu Ende ging.

Zwei Stunden Spaziergang, in denen man also jenes Geburtshaus besichtigen kann, die Kathedrale besuchen – oder in das Gewühl der kleinen Gassen und Straßen mit ihren bunten Läden eintauchen, für das man ja auch nach Italien kommt, hier einen Espresso trinken oder ein erstes italienisches Eis genießen.

Unser Quartier in den kommenden drei Nächten liegt in Borgio Verrezzi, einem kleinen Ort ungefähr auf halber Strecke zwischen Genua und Monaco. Peppino, der Wirt, begrüßt uns herzlich und stilecht natürlich mit ausgiebig Pasta zum Abendessen. Bei unserer Ankunft ist es schon dunkel, doch am nächsten Morgen kann man die Gelegenheit nutzen und nach einem Fußweg von ca. 200 Metern den Sonnenaufgang am Mittelmeer bewundern.

Wunderbares Monaco

Dieser dritte Tag steht ganz im Zeichen der Blumenriviera. Mit Alessandra, unserer einheimischen Führerin, geht es zunächst nach San Remo, wo wir bei strahlendem Sonnenschein unterhalb des Spielcasinos an der Uferpromenade aus dem Bus steigen. Dann wird die Stadt besichtigt, die unter anderem für das Musikfestival, das bedeutendste Schlagerfestival Italiens, berühmt ist. Und ähnlich wie auf dem Sunset Strip in Hollywood erhält hier jeder Sieger des Festivals eine Platte auf dem Gehweg als bleibende Ehrung, Namen, die auch deutschen Fans Musik in den Ohren sind, etwa Eros Ramazotti, Alice, oder, in neuerer Zeit, Måneskin.

Nach einer ausgiebigen Freizeit, in der mancher auch einfach nur in einem der Strandcafés in die Sonne blinzelt, geht es an der Küste entlang weiter nach Imperia, der Hauptstadt der Region. Gegenüber dem Gewusel in den Gassen von San Remo ist die Altstadt hier nahezu menschenleer, bietet aber wegen ihrer Lage auf einem Hügel wunderbare Blicke auf die Küste des Mittelmeeres hinunter. Jenes Mittelmeer lockt einige Reisegäste so sehr, dass sie der Versuchung nicht widerstehen können und, nachdem wir zurück im Hotel in Borgio Verrezzi angekommen sind, die Badesachen schnappen und einen Sprung in die Fluten wagen – die Wassertemperatur ist ja wärmer als die der Luft draußen.

Am Sonnabend steht dann der große Höhepunkt, der eigentliche Anlass der Reise auf dem Programm: der Besuch des Zirkusfestivals von Monte Carlo. Nebenbei werden nach Deutschland, Österreich und Italien nun mit Frankreich (durch das man ein Stück hindurch muss, um von der italienischen Grenze nach Monaco zu gelangen) und Monaco die Länder vier und fünf auf der Reise besucht – und das sollten nicht die letzten bleiben.

Wir haben Karten für die Nachmittagsveranstaltung, es bleibt also noch genügend Zeit, die Altstadt von Monaco zu besichtigen, nachdem zunächst der Bus die Straße entlang fährt, auf welcher sich beim Formel-1-Rennen die Startpositionen und das Ziel befinden. Im Parkhaus unterhalb des Ozeanographischen Museums gibt es ausreichend Stadtpläne (auf denen auch die Strecke des Formel-1-Rennens eingezeichnet ist, die man von der Aussichtsplattform in der Nähe des Palastes sehr schön nachverfolgen kann). Das Parkhaus selbst ist tief untern in den Küstenfelsen hinein gebaut, oben geht es dann bei strahlendem Sonnenschein durch den fürstlichen Garten zur Kathedrale, in welcher Fürst Rainier im Jahr 1956 die Schauspielerin Grace Kelly heiratete und sie damit zu Fürstin Gracia Patricia machte, und in der sich auch die Gräber von beiden befinden. Ein kleiner Spaziergang durch die Altstadt, dann wohnen wir der Wachablösung vor dem Fürstenpalast bei – ein Hauch von Buckingham Palace am Mittelmeer.

Eine Stunde Freizeit bleibt anschließend, um auf den Spuren von Fürstin Gracia Patricia zu wandeln, danach müssen wir hinunter zum Bus und mit diesem hinüber nach Fontvielle, um nur nicht die Vorstellung im Zirkus zu verpassen.

Ein Feuerwerk der Zirkuswelt

Neben dem Stadion des AS Monaco sind Busparkplätze freigehalten, zu denen wir eingewiesen werden, das ist hervorragend organisiert. Ein kleiner Fußweg von fünf Minuten und schon sind wir am Festzelt. Das Gelände um das Zelt herum ist wie ein großes Volksfest mit Buden und Ständen bestückt, an denen man noch einen kleinen Hunger oder Durst stillen oder die daheim gebliebenen Lieben mit Souvenirs versorgen kann. Eine Kapelle aus Clowns stimmt auf Zirkusatmosphäre ein – und schon geht es hinein in das Zelt und auf die vorbestellten Plätze.

Es erwartet uns ein Programm mit absoluten Glanzleistungen der Artistik, und das in voller Länge. Zweieinhalb Stunden Programm, eine halbe Stunde Pause und danach noch einmal anderthalb Stunden Programm. Nach der Pause sieht man leider, dass einige Plätze in der Manege frei bleiben – da haben wohl einige Zuschauer nicht das nötige Sitzfleisch mitgebracht. Nicht so unsere Gäste, sie sind dank der zweitägigen Anreise richtig im Training und nicht bereit, auch nur eine Sekunde von dem zu verpassen, was hier geboten wird.

Und das ist wirklich atemberaubend. Sicher, man kann lange hin und her diskutieren, ob Tierdressuren noch zeitgemäß sind. Die Argumente dagegen kann man nachvollziehen – andererseits könnte man dann aber auch weiter gehen und sagen, dass dann auch der Einsatz von Tieren in Filmen fragwürdig ist. In Monte Carlo jedenfalls gehören Tierdressuren von Beginn an zur Philosophie des Festivals, dies ist auch das klare Bekenntnis von Prinzessin Stéphanie, der Schirmherrin des Festivals. In unserer Show gibt es vier Dressuren, eine mit weißen Tigern, eine mit Papageien und zwei mit Pferden. Eine dieser Nummern hat dabei auch weniger die Pferde zum Inhalt, die traben friedlich im Kreis, jedoch auf ihrem Rücken wird zu zweit und zu dritt voltigiert, dass man seinen Augen kaum trauen kann. Den Höhepunkt bildet ein doppelter Salto, den der deutsche Artist René Casselly auf dem Pferderücken in den Stand vollführt – eine Darbietung für die er am Ende des Festivals zu Recht den Goldenen Clown in Empfang nehmen durfte.

Auch alle anderen Artisten hätten eine Auszeichnung verdient. Da ist das Duo Secrets of my Soul, die eine zu Herzen gehende Artistik am Boden und am Hochring zu dem Song „Shallow“ aus dem Film „A star is born“ bieten. Die „Troupe de Mustafa Danguir“ wirbelt auf und in einer Konstruktion aus Rädern und Achsen durch die Lüfte, dass man nicht mehr weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Und indem man hier nur einige der Artisten nennt, ist man schon ungerecht gegenüber den anderen, Ungenannten.

Und dennoch sind die Artisten Menschen und keine Maschinen. Das wird deutlich am Auftritt der Gruppe „Flying Martinis“ am Trapez. Als Höhepunkt und Schlusspunkt soll ein dreifacher Salto gezeigt werden – doch beim Fangen rutscht der Flieger dem Fänger durch die Hände und landet (zum Glück) im Netz. Er werde es erneut versuchen, lässt er den Ansager wissen – doch auch dieser zweite Versuch landet im Netz. Die Zuschauer applaudieren dem mutigen Flieger sehr heftig – doch er schüttelt sich und kündigt an, so wolle er sich nicht von diesem wunderbaren Publikum verabschieden. Er nimmt nach einer langen Konzentrationsphase, in der auch das Publikum mucksmäuschenstill ist, den Sprung ein drittes Mal in Angriff – und dieses Mal greifen Flieger und Fänger fest zu und der Sprung glückt. Das gesamte Zirkuszelt springt mit einem Jubelschrei auf, als wäre soeben zumindest das entscheidende Tor im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft gefallen, und lässt die Truppe zu Recht minutenlang hochleben.

Dramaturgisch hätte man es nicht besser planen können, dass mit diesem geglückten dreifachen Salto die Nachmittagsshow zu Ende geht. Und es ist nur gerecht, dass die Flying Martinis am Ende des Festivals einen Silbernen Clown in Empfang nehmen durften.

Über sieben Berge nach Hause

Komplett berauscht, auch ganz ohne Wein und Sekt, steigen die Reisegäste in den Bus und die Fahrt geht zurück nach Borgio Verrezzi, wo uns Peppino mit einem ziemlich späten Abendessen erwartet – egal, diese Show am Nachmittag hätte gern auch noch eine Stunde länger gehen dürfen, dann hätten wir eben erst kurz vor Mitternacht zu Abend essen können. Keine Minute des Nachmittags wird bereut. Zudem haben wir auf dem Weg vom Bus zum Zirkuszelt Prinz Albert höchstpersönlich gesehen, der aus einem Auto stieg und ins Stadion von AS Monaco ging, vielleicht in ein Fitness-Studio (ihn zu fotografieren wurde von seinen Security-Leuten freundlich, aber bestimmt unterbunden), außerdem saß Prinzessin Stéphanie im Publikum ganz in der Nähe von einigen der Gäste – es war also auch für den notwendigen Promi-Faktor gesorgt.

Die Rückfahrt am kommenden Morgen kann beschwingt in Angriff genommen werden. Das Wetter ist viel besser als in den Prognosen angedroht, bei Sonnenschein fahren wir an Mailand und Como vorbei in die Schweiz (Land Nummer 6 auf der Reise), durch das Tessin geht es über den Luganer See, vorbei an Bellinzona und hinauf zum San Bernardino-Pass, und auf dem anschließenden Weg zur letzten Zwischenübernachtung in Feldkirch in Österreich fahren wir auch noch ein paar Kilometer durch das Fürstentum Liechtenstein, also Land Nummer 7. Von Feldkirch aus geht es am nächsten Tag durch das Allgäu und an Ulm vorbei nach Nürnberg und endlich nach Hause – wären wir etwas weiter östlich gefahren, wären wir tatsächlich noch einmal an Monaco vorbeigekommen. Allerdings an Monaco di Baviera, dies nämlich ist der italienische Name für München.

Die Busfahrt, die sieben Länder, die wir besucht haben, all das verblasst jedoch gegenüber den Eindrücken, die jeder der Gäste am Samstagabend im Zirkuszelt sammeln konnte – und jeder der Gäste fiebert wahrscheinlich schon den Fernsehaufzeichnungen entgegen, welche im März im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden, um sich noch einmal von den Darbietungen verzaubern zu lassen und die Daumen dafür zu drücken, dass vielleicht einer von den ganz persönlichen Lieblingen, die man an jenem Nachmittag gewonnen hatte, am Ende zu den Preisträgern gehören könnte.

 

Bilder und Text von Mathias Ullmann


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