Natürlich führen nicht alle Wege in die Schweiz, sollten Sie aber. Alpenglühen am Aletschgletscher, Palmen im Tessin, Champagnerklima in St. Moritz, gigantische Gipfel im Wallis, Savoir-vivre am Genfer See und Zunfthäuser in Zürich - die Eidgenossenschaft zieht wirklich alle Register, um Reiselust zu entfachen.

Typisch Schweiz

26 Kantone, rund acht Millionen Einwohner, 1.484 Seen, 140 Gletscher, vier offizielle Landessprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) und zahlreiche Dialekte – das ist die Schweiz in Zahlen und Fakten.

Dann aber gibt es noch das Gefühl, Swissness genannt. Sie ist der Grund, der die Menschen eines Landes mit so unterschiedlichen Sprachen, Lebenswelten und Traditionen im Kern zusammenhält. Zur Swissness gehören so typische Eigenschaften wie Höflichkeit, Präzision, Zuverlässigkeit, und Naturverbundenheit. Sie prägen die gesamtschweizerische Identität ebenso stark wie das Bedürfnis nach Ordnung und Reinlichkeit. Die war bereits dem irischen Dichter James Joyce aufgefallen. Er beschrieb die Zürcher Bahnhofstraße als so sauber, dass man eine Minestrone vom Boden essen könne.

Wer den Schweizern aber ganz genau beim Schweizersein zuschaut, an einem Ufer der vielen Seen, in einer rustikalen Bergbeiz oder beim Käffele (Kaffetrinken), der wird entdecken, dass zum Wesen dieser Nation neben vorbildlichen Umgangsformen auch eine große Portion Lebensfreude, entspannte Gelassenheit und eine sehr sinnliche Beziehung zum Essen und Trinken gehört.

En guete mitenand!

Wie lautet der leckerste Grund für eine Schweiz-Reise? Käsefondue? Raclette-Rösti? Das Traditionsgebäck Basler Leckerli oder doch eher zartschmelzende Schokolade? Alles Geschmackssache, doch klar ist: Wer Schweiz sagt, der muss auch Appenzeller Käse, Bündner Gerstensuppe, Engadiner Torte, Luzerner Chügelipastete, Tessiner Polenta und Zürcher Geschnetzeltes sagen. In den Küchen dieses Schlaraffenlandes vereinen sich deutsche, französische und norditalienische Einflüsse zu unwiderstehlichen Spezialitäten.

Man kann das kulinarische Erbe der Schweiz in gemütlichen Stuben mit Butzenschreiben und Bauernstühlen genießen, wo Hausmannskost als Hommage an Großmutters Küche auch Nicht-Eidgenossen ins Schwärmen geraten lassen, oder man zieht von Käsekeller zu Käsekeller, um sich durch einen himmlischen Querschnitt köstlicher Delikatessen zu probieren. Die besten Rohmilchkäse werden noch nach alter Väter Sitte über dem offenen Feuer und gemäß traditionellen Rezepten hergestellt und beweisen, welch würzige Kraft in Kuhmilch steckt, wenn man sie nur lange genug reifen lässt. Riechen und reinbeißen!

Einen Platz in der Ruhmeshalle der kulinarischen Besonderheiten haben sich neben vielen Käsesorten auch die Lozärner Rägetröpfli verdient. Die mit Kirschlikör und Trüffelcreme gefüllten Pralinen sind das pure Gegenteil von Askese.

Doch für die Dauer einer Schweiz-Reise sollte man sich ohnehin von allen Diätplänen verabschieden, da hilft auch alles Wandern, Skifahren und Bergsteigen nichts. Also kann man sich auch gleich ganz mühelos mit einem der schönsten Verkehrsmittel der Schweiz auf die Gipfel transportieren lassen.

Seilbahn-Safari

Am achten Tag aber sprach der Herr: Ich werde einem Land alle Schönheiten schenken – Schneegipfel und Märchenwälder, weite Felder, rauschende Flüsse und kristallblaue Seen. Dann fiel ihm auf, dass Österreich nur ein erster Entwurf war, und er erschuf mit der Schweiz endlich sein Meisterwerk. So klingt die Schöpfungsgeschichte, wenn Eidgenossen sie erzählen.

Wer sich gern selbst einmal aus göttlicher Perspektive von der fabelhaften Schönheit der Schweiz überzeugen möchte, wagt sich in eine Seilbahn. Über Baumwipfel hinweg geht es steil aufwärts, vorbei an Wasserfällen, Murmeltieren und schroffen Felswänden, in denen sich Kletterer mühsam nach oben arbeiten, während die Bahn ihren Gästen alle Aufstiegsmühen abnimmt. Dieser Schwebezustand zwischen Himmel und Erde ist nicht nur bequem, sondern bilderbuchschön und berauschend.

Das Angebot der spektakulären Schweizer Seilbahnen reicht von nostalgisch bis zu futuristisch. Die älteste Bergbahn Europas bringt ihre Gäste seit 1871 von Vitznau zur Station Rigi Kulm, und die weltweit steilste Zahnradbahn erklimmt den Luzerner Hausberg Pilatus auch schon seit 132 Jahren. Die trommelförmigen Kabinen der steilsten Standseilbahn der Welt bewältigen bis zum Erreichen des Bergdorfs Stoos sogar eine sagenhafte Steigung von 110 Prozent, doch die CabriO-Bahn toppt selbst das noch. Wenn man auf dem offenen Oberdeck dieser doppelstöckigen Pendelbahn steht und dem rund 1.900 Meter hohen Stanserhorn entgegengleitet, ist es das reinste Seilbahnglück.

Traumzüge

Platz 1 der beliebtesten Verkehrsmittel belegen aber nicht die Seil-, sondern die Eisenbahnen.

Warum? Zugfahrten durch die Schweiz sind eben eine sichere Methode, Menschen in Euphorie zu versetzen, erst recht, wenn sie in komfortablen Panoramawagen Platz genommen haben. Himmel und Seen, Berge, Bäume und Wiesen verschmelzen vor den Fenstern zu einer blau-weiß-grünen Sinfonie. Luege und stuune, heißt es dann auf Schweizerdeutsch – schauen und staunen.

Kein anderes Land lässt sich so bequem und auf so vielen Bahnstrecken zwischen Bodensee und Tessin, zwischen Genfer See und dem Engadin entdecken.

Wunderbar auskosten kann man die Aussichten auf eine sich ständig wechselnde Landschaft zum Beispiel auf der Route des legendären Glacier-Express von Zermatt nach St. Moritz oder auch während einer Fahrt mit der Berninabahn, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde.

Das Privileg, den Rhein als Reiseleiter zu haben, genießen jedoch nur die Passagiere der Rhätischen Bahn, die dem türkisgrün leuchtenden Fluss durch die abenteuerliche Rheinschlucht, dem Grand Canyon der Schweiz, folgen.

Highlights

Wohin soll es also gehen, wenn man sich entscheiden muss? Nur ein Sadist kann so eine Frage stellen. Wer will schon den glitzernden Genfersee, die verträumten Dörfer des Jura, den Rheinfall oder gar das Matterhorn von der Liste seiner möglichen Reiseziele streichen? Wenn es denn aber unbedingt sein muss, dann sollte die Wahl auf Luzern und Zürich fallen.

Luzern, im Herzen der Schweiz gelegen, ist einfach schöner als jedes Klischee erlaubt, und an der Stadt am Limmatfluss führt auch kein Weg vorbei, schließlich wusste schon der Schriftsteller Robert Walser: „Jeder hervorragende Mensch ist irgendeinmal in Zürich.“ Beide Städte hinterlassen zu jeder Jahreszeit einen unvergesslichen Eindruck, die Sanftheit des Schnees aber gestaltet ihre Schönheit neu.

Zürichsee und Vierwaldstättersee funkeln im Winter besonders verführerisch. Berggipfel tragen dicke weiße Schneemützen, und die Wasserfontänen der Brunnen sind zu bizarren Skulpturen erstarrt.

Zürich, die größte und bekannteste Metropole der Schweiz trumpft vor allem mit einer Kombination aus Kunst, Kultur und Natur auf, wie es sie andernorts kaum gibt. Oper und Schauspielhaus, Jazz- und Rockclubs, prachtvolle Zunfthäuser, rund fünfzig Museen und ein altes Industriequartier, das zum Kultur- und Partymekka aufgestiegen ist – all das bietet ein so vielfältiges Angebot, wie man es von einer Stadt mit rund 435.000 Einwohnern nicht erwarten würde. Dass sie es regelmäßig auf die vordersten Plätze der lebenswertesten Städte weltweit schafft, hat Zürich auch der Nähe zur Natur zu verdanken. In den Quartieren stolpert man schon allerorten über Parks und Wiesen, doch sobald man die Stadtgrenze überschreitet, steht man in Wäldern, auf Gipfeln oder an Bergseen.

Gleiches gilt für die bühnenbildhaft schöne Altstadt Luzerns mit ihren heimeligen Gassen, die von Kunst, Kultur und Kulinarik überquellen. Dazu den tintenblauen Vierwaldstättersee und beeindruckende Berge direkt vor der Haustür. Da kann man sich nur schwer entscheiden, ob man eine Schiffstour unternehmen oder gleich zum Winterwandern auf die Rigi aufbrechen soll.

Das Felsmassiv, auch Königin der Berge genannt, lässt von seinem höchsten Gipfel fast alles sehen, was in der Schweizer Bergwelt Rang und Namen hat, auch Eiger, Mönch, Jungfrau und natürlich den direkt gegenüberliegenden Pilatus, Luzerns Hausberg. Seine schneeköniginnenweiße Nordflanke sonnt sich unter einem wolkenfreien Himmelsblau.

Zu den beliebtesten Lichttankstellen im Winter gehört neben dem Pilatus auch der Titlis bei Engelberg, keine Stunde entfernt von Luzern. Während Engelberg mit seinem alten Benediktinerkloster beeindruckt, überwältigt der Titlis seine Besucher auf 3.041 Metern über dem Meer mit einer gewaltigen Gipfellandschaft und der höchstgelegenen Hängebrücke Europas, dem sogenannten „Titlis Cliff Walk“.

Bei so viel unfassbarer Schönheit in und um Zürich und Luzern wundert es am Ende niemanden mehr, dass die Kompassnadel des Reiseglücks eindeutig auf die beiden Sonntagskinder unter den Schweizer Städten gezeigt hat.

Was bleibt?

Am Ende einer Reise in die Schweiz sind die Koffer gefüllt mit Basler Leckerli, mit Schokolade, Kuhglöckchen oder T-Shirts mit Schweizer Kreuz – lauter Mitbringsel, die uns an heitere Urlaubsmomente erinnern sollen.

Das schönste Souvenir aber ist der Abdruck der Schweizer Berg- und Seenlandschaft, den man im Herzen mit nach Hause trägt, und der einem dabei helfen wird, fortan ein wenig leichter durch die grauen Tage des Lebens zu kommen.

Fotos von Thomas Schneider, bildbaendiger.de
Text von Nicole Quint


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