Andorra ?  => Wo liegt überhaupt Andorra ? Ganz ehrlich, wissen Sie sofort die Antwort ?

Europas größter Zwergstaat, mit 468 Quadratkilometern eher ein Riese unter den sechs europäischen Länderzwergen, liegt eindrucksvoll in einem Hochtal der Pyrenäen zwischen Spanien und Frankreich. Wären die rund 77.000 Einwohner, von denen nur ca. 37% einen andorranischen Pass besitzen, alles Zwerge, was sie mitnichten sind, müssten sie ganz schön weit aufschauen, um die horizontalen Grenzen ihres Staates überblicken zu können. 65 Berggipfel übersteigen die 2000-Meter-Grenze, alle überragend vom Pic Coma Pedrosa (2.944 m) im Nordwesten des sehr gebirgigen Landes.

"Wer noch staunen kann, wird auf Schritt und Tritt belohnt."

Oskar Kokoschka, Österr. Maler

Ankunft mit Ausblick

Holen Sie sich die Belohnung! Erkunden Sie staunend die fabelhafte Bergwelt Andorras auf Schritt und Tritt.

Sind die Wandersachen gepackt, die Trekkingstöcke verstaut, der Körper fit und auf eine herausfordernde Aktivwoche in einer großartigen Hochgebirgslandschaft eingestellt, dann kann es losgehen. Der frühe Wanderer findet den Weg, auch zum verträumten, internationalen Startflughafen Dresden und landet bereits am Mittag in Barcelona. Gepäckempfang und ab in den exklusiv für sz-Reisen wartenden Bus. Wir fahren im großen Bogen um Barcelona, passieren später Montserrat, die ca. 10 km lange Sandsteingebirgskette mit seinen markanten, fingerförmigen Felsen und nähern uns den im Dunst des Horizontes langsam erkennbaren Bergen.

„Ongi etorri Andorrara“ – „Willkommen in Andorra“

heißt es nach dreistündiger, entspannter, verbal informativer und visuell abwechslungsreicher Fahrt. Mit hervorragendem Service empfängt uns das Hotel Panorama in Escaldes-Engordany, zugleich gepflegtes Basislager der Wandergruppe für die kommenden Tage in wahrlich guter Panoramalage, mit beeindruckendem Blick auf die Landeshauptstadt La Vella im Tal und die umliegenden Berge. 

Berge - Aussicht - Natur

„Der Berg ruft !“ – frei nach Luis Trenker folgen wir dem Ruf und starten erwartungsvoll, frisch und munter in die aktive Urlaubswoche. Bequem geht es, wie auch in den kommenden Tagen, per Bus vom Standorthotel zum Ausgangspunkt der jeweiligen Tagestour.

Marco, unser professioneller, einheimischer Bergführer, stets flankiert von seiner tierischen, treuen Begleiterin Selene/Celine, verkündet das Ziel der Auftaktroute:

Der perfekte Einstieg - Naturpark Sorteny - ein phantastisches Naturerlebnis

Die kurzweilige Fahrt in den Norden Andorras gewährt erste Eindrücke vom Land, von den kleinen Ortschaften und der imposanten Bergwelt. Sind die bequemen, trittsicheren Wanderschuhe geschnürt, die Trekkingstöcke griffbereit, Proviant, Getränke sowie Kälte- und Regenschutz im Rucksack verstaut, treten wir ein in das UNESCO-Biosphärenreservat, in das großartige Bergschutzgebiet des Naturparkes Sorteny.

Auf 1.800 m, direkt am Parkplatz, beginnt der zunächst leicht ansteigende, breite Weg. Schon bald nach den ersten Kurven präsentiert sich überraschend eine interessante kulturelle und botanische Abwechslung am Wegesrand. Dem „Monument Estripagecs“, Skulpturen aus fünf großen Stelen, in Form und Sinn von tiefer andorranischer Bedeutung, schließt sich ein kleines, gepflegtes Gärtchen mit einer breiten Sammlung aus der alpinen Pflanzenwelt an. Noch relativ mäßig im Anstieg, folgt der Weg später dem Hinweis eines Holzschildes, biegt nach rechts ab, führt durch seichtes Wiesengelände, um nach Überquerung eines Flusslaufes endlich an Höhe zu gewinnen. Die Durchquerung steilerer Waldstücke wird zur aktiven Herausforderung des Tages. Weit weniger anspruchsvoll, landschaftlich jedoch umso reizvoller, gestaltet sich der Schlussabschnitt bis zum Tagesziel, dem in grandioser Umgebung auf 2.342 m gelegene Bergsee Estany de l´ Estanyò, direkt unterhalb des Pic de l'Estanyó (2.925 m). 

Ist die Brotzeit am Seeufer genüsslich verspeist, sind die Badesachen der mutigen Seebezwinger getrocknet, geht es auf demselben Weg Retour, jedenfalls bis zum Abzweig zur am Gegenhang lockenden Sonnenterrasse der „Refugi Borda de Sorteny“. Keiner der beteiligten Wanderfreunde dieser genialen Auftakttour lässt sich den kulinarischen Einblick in andorranische Berghüttenkultur entgehen, warum auch ?

Zurück am Bus, beginnt der inaktive Teil des Tages. Eine beschauliche Panoramafahrt bietet mehrere Fotohalte und findet ihr wahrlich weitblickendes Finale am „Coll de la Botella“, dem  „Flaschenhalspass“ auf 2.069 m mit ausgiebigen Momenten unglaublicher, länderübergreifender Fernsicht über die imposanten Gipfel und Täler der Pyrenäen.

 

Ein Haus am See

Zum Moreno See – die einsame grüne Perle der Bergseen von Ensagents

Die Morgensonne lugt langsam über die Bergspitzen und ruft uns zur wohl anspruchsvollsten Tour der aktiven Reisewoche. Aktiver Start ist auf 1.900 m ü.M., direkt an der Straße in die Skigebiete, östlich von Encamp. Sofort steigt der Weg bergan, zunächst anhaltend steil im Wald, später gemäßigter auf durchnässten Wiesenwegen, über lichteres Gelände, das hinauf zum ersehnten Zwischenziel Moreno See (2.384 m) führt. 

Einsam und wunderschön gelegen, bietet dieser nicht nur tolle Fotomotive, sondern lädt bei ca. 12 Grad Wassertemperatur auch zum erfrischenden Bade.

Begeistert von dieser unglaublichen Idylle und Natur folgen wir dem Uferweg. Bald windet sich ein Pfad die Böschung hinauf zur nahe liegenden, unbewirtschafteten Ensagents-Hütte (2.450 m). Jetzt erstmal durchatmen, alles sacken lassen.

Mit frisch aufgefüllten Energiedepots steigen wir im weiterhin anspruchsvollen, z.T. alpinen Gelände auf und folgen dem beeindruckenden Weg um die Seen d´ Ensagents zum finalen Bergsee unterhalb des Massives des Alt del Griu (2.874m). Pause! Blicke schweifen lassen und nur genießen!  Die digitale und körpereigene Festplatte kommt an ihre Grenzen in diesem fulminanten Hochgebirgsterrain

Auf zum Rückweg, der vorerst weiter im Geröllfeld nach oben führt, später straff bergab, in Abschnitten steil. Und das für die nächsten 6 km, die arg strapazierten Knie klatschen Beifall!

Am morgendlichen Ausgangspunkt wartet schon der Bus, das vornehme Basislager mit seinen wohltuenden Annehmlichkeiten ist bald erreicht, gesellig geht der Tag zu Ende.

Nach dieser Tour ein Ruhetag, das wär´s !!!

 

Einmal durchatmen bitte

Ruhetag => den gönnen wir uns!

Zunächst einmal: Stadtführung, den Besuch im Parlament oder einen Ausflug in die spanische Enklave nach Os de Civis überlassen wir dem offiziellen Wochenprogramm. Heute wird ein Gang rausgenommen, alles schön Piano! Der ideale Standort der gepflegten Wanderunterkunft gestattet viele Varianten der individuellen Gestaltung des Tages. Wer die Kreditkarte nicht nur etwas belasten möchte, ist in nur wenigen Minuten am ersten Einsatzpunkt, auf der Hauptflanier – und edlen Shoppingmeile des Landes. Der Wellnessanbeter nutzt die natürlichen, heißen Quellen des „Centre Termolúdic Caldea“, des größten Thermalbades Südeuropas. Wer Außergewöhnliches erleben möchte, folgt den Empfehlungen des Reisebegleiters zur spektakulären Freizeitgestaltung. Und der nimmermüde Wanderfreund kann auch diesen Tag aktiv verbringen, einer eigenen oder einer von der Reiseleitung gegebenen Tourenempfehlungen folgen.

Ist es möglich, die grandiosen Impressionen der letzten Tage zu toppen? Versuchen wir es!

Wandern mit Aussicht

Eine runde Sache – Durch´s Gletschertal  Vall del Madriu zum See  Llac d´ Engolasters

Gut gelaunt und voller Wanderlust besteigen wir am Morgen den Bus Richtung Südosten, in das UNESCO-Weltkulturerbetal Vall del Madriu.

09:00Uhr: Auf zur genussreichen Rundwanderung.  Zuerst auf gepflegter Wanderautobahn, später auf schmalem Pfad ordentlich bergauf, lichtet sich zwischendurch der Wald und gibt weite Blicke frei auf die Bergkette des Coma Pedrosa in der Ferne und hinunter in´s Tal, auf das scheinbar völlig unkontrolliert und stillos zugebaute Tal von La Vella. Nach weiteren Aufstiegsmetern stehen wir auf dem Rastplatz des Coll de Jovell (1.800 m) und gönnen uns hier nicht nur die erste Stärkung, sondern auch die prächtige Aussicht, weit hinein in das Madriu – Tal und auf die gegenüberliegenden Berggipfel. Die nächsten Kilometer führen, auf Waldwegen und über gut begehbare Geröllfelder, den z.T. steilen Hang querend, abwärts zur unbewirtschafteten, wunderschön im weiten Flusstal gelegen Refugi de Fontverd.

Verdiente Rast im Naturparadies und auffüllen der Kohlenydratspeicher für die vollendende, gut profilierte Etappe dieser Rundwanderung zum Llac d´ Engolasters, einem für die Energiegewinnung wichtigen, kleineren Stausee. Die bewältigten Tageskilometer, die reichlichen Höhenmeter in traumhafter Natur und bei Sonne satt sind überzeugende Argumente, den Einladungen der vor allem getränke–lastigen Wirtschaften im Zielbereich NICHT zu widerstehen.

8 Seen im Bergkessel

Circuit de Pessons – Die 8 Seen – Tour im größten Bergkessel Andorras

Auf geht´s in den Südwesten des Landes, in das beliebte Ski – und Wandergebiet um Grau Roig. Der Großparkplatz des ausgedehnten Areals ist der ideale Ausgangspunkt zur ansprechenden Tageswanderung, hinauf in das außergewöhnliche Gebiet der Bergseen unterhalb des Pic dels Pessons (2.788 m).

Die ersten 200 Höhenmeter gewinnen wir über einen Skitourenweg, gefällig durch den Wald führend und aktuell Schnee – und maut frei … Schon liegt See Nummer 1, der „Estany Primer de Pessons“ vor uns. Welch überwältigende Blicke auf die umliegende Bergkulisse! 

Geographisch sind wir auf der Rückseite der mächtigen Gipfel um dem Moreno See, so dem Alt del Gríu (2875 m), dem Ensagents (2857 m), dem Pessons (2864 m). Abwechslungsreich der weitere Verlauf, Geländestufen folgen flachere Abschnitte, begleitet von faszinierenden, visuell verwöhnenden Momenten ! Welch Glanzwerk der Natur! Im Focus nun das Tagesziel, der Estany de les Fonts am Fuße des großen, schroffen Kesselrandes. Ab jetzt nur noch sinnliches Summit – Viewing! Bitte haltet den hochalpinen Film nicht an! 

Abweichend vom Aufstieg wählen wir irgendwann den Rückweg und komplettieren die 8 Seenwanderung. Schon nahe dem Zieleinlauf über die schneefreie Skipiste mit dem steilen Finale in den Zielbereich, lenken uns die Schritte unaufhaltbar zum vitalisierenden Aufbauprogramm auf die sonnige Terrasse der Refugi des Llac dels Pessons, der malerisch am Pessons See gelegenen Bergwirtschaft. Man soll viel trinken, nach solchen Tagen und Taten. Das tun wir und es fällt nicht schwer, in dieser grandiosen Hochgebirgswelt der Pyrenäen.

Alternative Tour gefällig? Andorras Wandernetz bietet unzählige Möglichkeiten!

Der letzte Berg ruft

Nein, wir gehören nicht zum Tross der alpinen Skiprofis, dennoch fahren wir nach Soldeu (1.700 m ü.M.), dem Ort des Ski–Weltcup-Finales 2023. Unser Finale erleben wir heute am Estany del Siscaró, an dem auf gut 2.200 m traumhaft schön gelegenen Siscaró – See.

Zum Tour Einstieg, unmittelbar an der Hauptstraße von Soldeu, werden die Wanderstiefel festgezurrt. Direkt geht es über Treppen und Serpentinen steil bergan. Mit schnellem Höhengewinn sind wir oberhalb von Soldeu. Der erste Lohn: ein erneut überwältigender Blick über das nun weit unter uns liegende Tal, hinüber zu den prägenden Bergflanken. 

Der Weg führt Richtung Osten. Immer wieder stärker ansteigende Waldpassagen werden wohltuend unterbrochen von mäßigen und geraden Abschnitten, bis hin zum Estany del Siscaró. Und wieder können nur Adjektive aus der Kategorie Superlativ diesen Landstrich beschreiben. Und wieder läuft der grandiose Hochgebirgsfilm, brennen sich unvergessliche Landschaftsbilder für immer ein. 

Der unvermeidliche Abstieg erfolgt Richtung SW, zuerst seicht, später anhaltend anspruchsvoll hinab in das Incles – Tal. Das Tal erreicht, werden die letzten 3 km zu Fuß auf der Talstraße, alternativ entspannt im Elektrogefährt zurückgelegt. Der starke Arm des Wirtes der ersten Labestation am Ortseingang zieht die gesamte Wandergemeinschaft an seine Tische. Auffüllen der leeren Energiedepots nach derart aktiver Tagesgestaltung beherrschen wir alle und wissen um deren Notwendigkeit, der wir sehr gern gerecht werden.

Genug belohnt? Ganz sicher!

Hören Sie auf den Ruf der andorranischen Berge, staunen Sie auf Schritt und Tritt und belohnen Sie sich mit unvergesslichen Wandererlebnissen.  Gern begleite ich Sie auf dieser Aktivtour und freue mich auf gemeinsame, große Bergabenteuer im kleinen Land.         

 

 

Fotos & Text von Falk Sichting
 


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