Beim Wort „Großbritannien“ hat man gleich die unzähligen Bilder vorm inneren Auge: Parlamentsgebäude, Straßenfeste, königliche Familie. Man denkt, man kennt das Land. Wenn man sich doch für eine Reise dorthin entscheidet, wird man überrascht, wieviel neues und exotisches man da vorfindet.
Mit sz-Reisen kann man Südengland auf verschiedene Art und Weise kennenlernen: per Bus, per Flug+Bus und als eine Aktiv(flug)reise, bei der man mehrfach den Bus verlässt und durch unvergessliche Landschaften wandert. In diesem Blogbeitrag möchte ich über die Flugreise „Südengland: Schlösser, Klippen, Blütenmee(h)r“ erzählen.
Tag 1.
Wir haben viel zu tun und zu sehen, deswegen startet unsere Reise ganz früh am Flughafen Dresden bzw. Leipzig. Seit April 2025 muss man bei der Einreise nach Großbritannien eine elektronische Reisegenehmigung (ETA) haben. Wir haben sie mit Hilfe unseres sz-Reisen-Teams vorab bekommen. Sie ist mit dem Reisepass „verbunden“. Beim Check-In wird ihr Vorhandensein automatisch überprüft, man braucht also keinen Papierausdruck mitzuführen. Bei der Ankunft in Heathrow erwarten uns die Grenzkontrollen – Brexit hat seine Folgen. Allerdings auch sie verlaufen ohne Zwischenfälle. Das Personal hat die Abläufe gut im Griff. Mit der britischen Höflichkeit und Effizienz werden die Schlangen schnell abgefertigt. Nach dem kurzen Warten auf das Gepäck sind wir bald im Bus und fangen unsere Reise Richtung Süden an.
Unsere erste Übernachtung ist im Raum Southhampton. Unterwegs machen wir einen kurzen Halt und besuchen die erste Hauptstadt Englands – Winchester. „Chester“ zeigt auf die römischen Ursprünge der Stadt hin. Ihre Blütezeit aber erlebte die Stadt in der Regierung der angelsächsischen Könige. Alfred der Große ist der berühmteste von ihnen. Sein Denkmal thront über die Hauptstraße. Winchester Kathedrale hat das zweitlängste Kirchenschiff der Welt und einen Helden, der vor über 100 Jahren ihre durch das Grundwasser geschädigte Fundamente im Alleingang gefestigt und so die Kathedrale vorm Einsturz gerettet hat. Auch heute steht die Krypta bis in den Sommer hinein unter Wasser, aber ist nicht mehr Einsturz gefährdet.
In der Großen Halle des ehemaligen Schlosses hängt die Große Tafel, an der König Artus seine Ritter versammelt haben sollte.
Im Hotel angekommen werden wir schnell eingecheckt. In allen Hotels auf unserer Route ist die Rezeption gut vorbereitet. Die Schlüssel und Informationsblätter sind in den Briefumschlägen pro Zimmer eingepackt. Sie werden schon im Bus verteilt. Man bezieht die Zimmer und bereitet sich auf das gemeinsame Abendbrot vor. Das Essen wird mal als Buffet, mal als Menu am Tisch serviert. Die Getränke holt man sich selbst an der Bar.
Tag 2. Ausflug auf (die Insel) Isle of Wight
Die Isle of Wight hat den Beinamen "England in a nutshell" (etwa: Klein England). Hier erlebt man das Beste von England: schöne Sandstrände, die grüne, hügelige Landschaft und idyllische Dörfchen wie Schanklin an der Südküste.
Die Hauptattraktion ist aber das Osborn House, das Lieblingsdomizil des Traumpaares des 19. Jahrhunderts: Königin Victoria und Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.
Wir übersetzten auf die Insel mit der Autofähre und gleiten dabei eine Stunde lang auf den Wellen des Solent, wo einmal im Jahr die Cowes Week, die historische Regatta, stattfindet, die angeblich Kaiser William II inspiriert hat, die Kieler Woche zu etablieren und auszubauen.
Tag 3. Dorset und Jurassic Coast
Nach einem sehr guten Buffet-Frühstück steigen wir in unseren Bus, der blitzblank vor dem Hoteleingang auf uns wartet. Wir fahren nach Dorset zum Jurassic Coast, einem Küstenstreifen von ca. 150 km. Wir fangen am Durdle Door an, einem Wahrzeichen dieses UNESCO Weltkulturerbes. Der 60 Meter hohe Felsen entstand, als das Meer vor etwa 10.000 Jahren den Kalkstein durchbohrte. Ab hier laufen wir vier Kilometer lang auf dem längsten Wanderweg Großbritanniens - South West Coast Path - bis zu dem Örtchen Lulworth Cove mit einer beinahe perfekt runden Bucht. Hier wartet unser Bus, der uns zu der Perle von Dorset – Lime Regis – bringt. Der Ort ist weltbekannt, aus Literatur, Film, aber vor allem der Paläontologie, weil ein 10-jähriges Mädchen Mary Anning hier Anfang des 19. Jahrhunderts das erste Skelett eines Ichthyosaurus gefunden und fachmännisch freigelegt hat. Auch heute kann man hier Fossilien finden oder, wenn die Zeit knapp ist, kaufen.
Tag 4. Dartmoor Nationalpark - Tudorsitz Prideaux Place
Die Strecke heute ist in der Länge vergleichbar mit der gestrigen, aber sie hat was in sich. Wir verlassen die zweispurigen Straßen und fahren auf den engen Wegen, wo es manchmal eine halbe Stunde dauert, bis der Bus an einem PKW vorbeifahren kann. Deswegen starten wir heute besonders zeitig. Schon um acht Uhr sind wir unterwegs zu dem berühmt berüchtigten Dartmoor, den Schauplatz von vielen schaurigen (Literatur)Geschichten, die im Nebel passieren. Man denke nur an „Der Hund von Baskerville“ von Arthur Conan Doyle oder „Das Geheimnis von Sittaford“ von Agatha Christie. Hier befinden sich Hochmoore, gewaltige Hügel und tiefe Täler. Die Felsen heißen Tors, über sie werden unzählige Legenden erzählt, mit Hexen, Riesen und Menschen. Aber es ist auch ein geschichtsträchtiger Ort. Schon vor unserer Zeit wurde hier Zinn abgebaut und bis nach Griechenland verschifft. Aus dem 11. Jh. sind noch die Clapper Bridges (Steinplattenbrücken) erhalten, die mit den Pferdewagen (kaum zu glauben!) befahren wurden.
Und spätestens hier im Dartmoor spüren wir den Hauch von Ewigkeit, der viele Zeugnisse prähistorischer Zeit, die über ganz Südengland verstreut sind, umgibt. Wie bei den Steinkreisen und Steinreihen am Merrivale.
Unser letztes Ziel an diesem Tag ist das Herrenhaus Prideaux Place aus dem Jahr 1592. Das Haus wird noch bewohnt, aber die Touristen sind gern willkommen, um bei der Führung die Architektur der Tudorzeit zu bewundern, den hübschen Anekdoten zu lauschen und sich an die ZDF-Verfilmungen der Romane von Rosamunde Pilcher, die hier mehrmals gedreht wurden, zu erinnern.
Am Ende des Besuches genießen wir den traditionellen Cream Tea mit den typischen Scones, clotted Cream und Marmelade. Dabei wird es uns die „richtige“ Reihenfolge der Zutaten (wir sind jetzt in Cornwall nicht mehr in Devon!) erklärt.
Am frühen Nachmittag beziehen wir das Hotel direkt an der westlichen Küste Cornwalls und können einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten.
Tag 5. Cornwall
Cornwall ist ein besonderer Teil Südenglands. Hier haben die Kelten Unterschlupf gefunden, als im 5. – 6. Jahrhundert fast ganz England von Angel-Sachsen erobert wurde. Hier befinden sich die Ruinen von Tintagel Castle, dem Geburtsort von König Artus, und die Brücke Slaughter Bridge, wo er in seiner letzten Schlacht fiel. Cornwall war bis in den 20. Jh. eine Industriegegend. Jetzt blüht hier die (ökologische) Landwirtschaft. Kornischer Apfelwein, Cider, ist berühmt. Ganz Großbritannien wird von hier mit Schnittblumen versorgt. Sogar Wein und Tee werden hier angebaut, wenn auch in einem sehr bescheidenen Maße. Große Flächen sind als Naturschutzgebiete deklariert. Das zieht viele Touristen an. Besonders spüren wir das am westlichsten Punkt Großbritanniens – dem Land‘s End. Hier probieren wir die kornische Spezialität Cornish Pasty, eine Teigpastete mit der Füllung (typischerweise) aus Rindfleisch, Kartoffeln, Steckrüben, Zwiebeln, Salz und Pfeffer.
St. Michael‘s Mount wurde im 11. Jh durch die Benediktiner Mönche nach dem Vorbild von Mont Saint Michel bebaut. Und im Örtchen St. Yve‘s verstehen wir, warum die Künstler des 19. Jahrhundert sich hier ansiedelten – die Lichtverhältnisse sind wirklich außergewöhnlich. Auch heute haben wir eine willkommene Unterbrechung der Busfahrt und fahren nach St. Yve’s mit der traditionellen Eisenbahn, ein Erlebnis, das unsere sz-Gäste auf allen Südenglands Routen haben.
Tage 6 und 7. Gärten und Geschichte.
Wir fahren zurück nach London, meistens auf der Autobahn, die nicht anders aussieht, wie in Deutschland. Aber die Stationen entschädigen uns dafür tausendfach. Zum einen besuchen wir zwei weltberühmte Gärten: Rosemoor und Wisley. Beide haben je die Größe einer Bundesgartenschau und bieten eine Blumen- und Pflanzenvielfalt, die man in diesen Breitengraden nicht erwartet und die nur durch den Golfstrom ermöglicht wird.
Zum anderen ist es die Besichtigung von Stonehenge, einer prähistorischen Anlage, die vor ca. 4500 Jahren von tausenden Menschen gebaut wurde. Wir wissen nicht genau warum, aber für viele Menschen ist es immer noch ein mystischer und heiliger Ort.
Wir übernachten in der Nähe von Salisbury und besuchen natürlich die Kathedrale mit dem höchsten Turm in Großbritannien. Die Laiengästeführer erzählen uns sehr kurzweilig die Geschichte der Kathedrale und zeigen uns zum Schluss den Weg zu der Hauptsehenswürdigkeit – dem Original der Magna Carta aus dem Jahr 1215, wo zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte die Bürgerrechte festgeschrieben wurden.
Tag 8. Tagesausflug nach London.
Eine zweitausendjährige Metropole an einem Tag? – Schwierig aber nicht unmöglich. Natürlich müssen wir uns auf das Wesentliche konzentrieren: Parlament und Westminster Kathedrale, Buckingham Palace und St. Paul’s. Dank der guten Zusammenarbeit mit unserem Busfahrer, konnten wir die Spaziergänge optimal planen, so dass auch der Tower Bridge „mitgenommen“ werden konnte. So ein Tag macht Appetit auf mehr – eine Städtereise nach London?
Tag 9. Good-bye and see you soon!
Wir haben Glück – unser Flug geht ganz spät, so dass wir noch Zeit für den Besuch eines besonderen Schlosses haben. Hampton Court liegt abseits von London und ist nicht immer im Programm. Die Architektur der Tudorzeit ist beeindruckend und wird durch die entsprechend bekleideter Schauspieler, die sich durch die Räume bewegen und kleine Szenen spielen, lebendig gemacht.
Nach zweieinhalb Stunden müssen wir los zum Flughafen und mit vielen Eindrücken im Gepäck zurück nach Hause.
Text und Fotos von Tatjana Müller-Scholich
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