Kaum jemand aus unserer Reisegruppe hatte dieses Land schon einmal besucht und wir waren vor allem auf die uns erwartende Natur sehr gespannt. Am 1.Juni 2019 starteten wir mit dem Flugzeug von Dresden über Frankfurt nach Dubrovnik und dann weiter mit Bus und Fähre nach Budva. 

Zugfahrt von 0 auf über 1000 m Höhe

Am ersten Tag wurde noch nicht so viel gewandert, sondern Zug gefahren. Wir haben ein kleines Stück der Bahnverbindung zwischen der Adria und Belgrad kennengelernt. Die Strecke wurde nach 25-jähriger Bauzeit 1976 fertiggestellt. Die Streckenführung beinhaltet unendlich viele Tunnel und Brücken und schmiegt sich ganz eng, immer weiter ansteigend, an die Felsmassive des Dinarischen Gebirges an. Was für eine Leistung der Ingenieure und Bauarbeiter!

Nach jedem Tunnel ein neuer, atemberaubender Ausblick. Hier haben wir schon ganz schön an Höhe gewonnen. Das uns begleitende Flüsschen wird immer kleiner.
In Kolašin angekommen, ging es weiter mit dem Bus durch die montenegrinischen Bergdörfer in Richtung zum Schwarzen See.

 

Wandern in den Bergen Montenegros

Voller Tatendrang sind wir losgezogen, um die Bergwelt des Balkans zu Fuß zu erkunden. Natürlich sind Wanderer auf alle Wetterlagen eingestellt – und das war auch gut so. Die Hälfte der Strecke hat es ordentlich geregnet.

Die volle Schönheit der Berge und des Schwarzen Sees hat sich uns heute nicht so richtig offenbart. Es kann nur besser werden.

Sehr interessant: der Friedhof des Dorfes. Die Grabsteine sind alle mit Bildern versehen. Auch die noch Lebenden sind schon mit dargestellt, natürlich nur mit vermerktem Geburtsdatum.

Zu Fuß in die Mrtvica-Schlucht


Nach dem Regenspaziergang des Vortages: heute Wandern bei schönem Wetter, der Schwierigkeitsgrad steigt.
Teilweise ging es auf allen 4en über Stock und Stein.

Unser Ziel: das Tor der Wünsche. Rade, unser örtlicher Wanderführer, hat uns mit dem hier üblichen Brauch vertraut gemacht.

Unterwegs haben wir schon alle einen „Wunschstein“ aufgesammelt. Der musste ganz fest umschlossen werden, dann muss man die Augen schließen, den Wunsch dem Stein „übergeben“ und durch das Tor der Wünsche in das Flüsschen werfen.

Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen!

Bergauf, bergab mit Blick auf das Meer

Der Ausgangspunkt der nächsten Wanderungen war unser tolles Hotel am Meer.
Von der Küste aus geht es hier oft nur wenige Hundertmeter eben ins Landesinnere – dann steigen der Berge steil bis auf 1000 m an. Der Bus schlängelt sich nach oben zum Startpunkt unserer Wanderungen. Die Ausblicke waren schon immer das erste Highlight des Tages.

Auf dem Karawanenweg nach Kotor


Ein Fjord, wie in Norwegen ...

Der Bus bringt uns über unzählige Serpentinen nach oben. 
Und über noch mehr Serpentinen wandern wir wieder nach unten. Erst ging es zügig durch den Wald.

Als wir dann freie Sicht hatten, mussten wir erst mal das Panorama auf uns wirken lassen – sehr beeindruckend!
Unten im Fjord ist gerade ein großes Kreuzfahrtschiff auf dem Weg in den Hafen...

Auf unserer weiteren Wanderung begleiten uns wunderbare, farbenfrohe Wildblumen am Wegesrand. 
Nach 900 Höhenmeter Abstieg sind wir unten in Kotor angelangt.
 

Abstieg von der Festung Kosmač

Auch heute wieder ein Abstieg zur Küste – andere Gegend – anders schön!
Zwischenstopp am Kloster Rustova. Die hier lebenden Nonnen berichten uns von ihrem Leben und zeigen die Produkte, die sie herstellen, um das Kloster zu finanzieren. Der Kräuterlikör ist sehr zu empfehlen!

Auch das Innere des Klosters kann besichtigt werden – aber nur mit entsprechender Bekleidung!
Weiter geht es nach unten. Wandern – schauen – staunen – fotografieren.

Am Skutarisee

Dieser Tag ging gemütlich los.

Wir schipperten über den Sklutarisee und wurden von der Bootsbesatzung mit Spezialitäten der Gegend verwöhnt.

Wir probierten eine lokale Teigspezialität („gebackene Mäuse“), die man entweder mit Honig oder, wer es herzhaft wollte, mit Ziegenkäse essen konnte. Außerdem gab es auch Kostproben eines sehr schmackhaften Rotweines und ein Gläschen Rakija. Alles recht lecker!

Weiter draußen auf dem See hat uns auch die Natur in ihren Bann gezogen: ganze Teppiche von Seerosen, Komorane, Pelikane & Wasserschlangen.


Am hinteren Zipfel des Sees angekommen, gingen wir an Land und los ging unsere letzte Wanderung.
Die Temperatur war inzwischen auf 30°C gestiegen und wir mussten einen 300 m hohen Bergrücken überwinden. Da ist schon reichlich Schweiß geflossen!

Aber auch hier hat uns die Natur entschädigt. Die vielen Bergkräuter ringsherum dufteten wunderbar. Mal roch es nach Minze, mal nach Thymian oder nach Salbei. Und zweimal hatten wir auch das Glück am Wegrand eine Schildkröte zu entdecken.

Nicht nur Berge – auch Meer!

Nach unseren erlebnisreichen Wanderungen mussten abends die strapazierten Füße, die Knie oder der Rücken wieder regeneriert werden. 
Unser Hotel war bestens dazu geeignet: wunderbar an einer Meeresbucht gelegen, mit großem Swimmingpool für die Süßwasserbader und einer gepflegten Anlage.
Wer früh zeitig aus dem Bett gefunden hatte, konnte erst mal eine Runde im Meer schwimmen gehen. Es waren nur wenige Schritte bis zum Strand.

Schon der Blick von der Terrasse war erholsam. Und da wir all-inclusive verpflegt wurden, haben wir uns nach der Wanderung auf dem Weg vom Bus zum Zimmer schon den ersten Cocktail oder das erste Bier schmecken lassen.

… und Städte

Einen Besuch haben wir natürlich auch der Altstadt von Budva abgestattet.

Unser Reiseführer Rade hat uns interessante Episoden aus der Geschichte erzählt. Die Nähe zu Italien spürt man in allen Gässchen und auf den Plätzen.

Übrigens sind die Häuser nicht wirklich alt. Bei einem schweren Erdbeben 1979 wurden große Teile der Stadt zerstört und dann, mit italienischer Unterstützung, nach den alten Zeichnungen wieder originalgetreu aufgebaut.

Und zum Schluss: Dubrovnik

Wenn man auf dem Weg zum Flughafen an Dubrovnik vorbeikommt, muss man natürlich einen Abstecher machen. Leider hatten wir nur wenige Stunden Zeit für diese wunderschöne Altstadt direkt am Meer gelegen.

Viel zu schnell war diese Woche vorbei!
Wir haben alles erlebt, was man sich so für eine Wanderwoche an der Adria vorstellt: blaues Meer, steile Küsten, grüne Wälder im Hinterland, Schluchten, durch die sich türkisblaue Flüsschen schlängeln, den großen Süßwassersee mit einer gesunden Fauna und Flora, leckeres Essen! Dabei habe ich gar nicht alles, was wir bestaunt haben, hier erwähnen können.

Und was für mich als Reisebegleiter auch immer wichtig ist: eine Reisegruppe mit netten aufgeschlossenen Gästen.
Es war super!

Text & Fotos von Ulrike Sandig


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